Was Meditation nicht ist

Meditation ist keine Trance

Es gibt diverse Trancetechniken, dazu zählen Autogenes Training, Hypnose, Traumreisen und so weiter. Diese gehen mit einer Einengung des Bewusstseins einher. Sie sind ausgezeichnete Werkzeuge, um sich zu entspannen, um Einstellungen zu verändern, um mit seinen unbewussten Anteilen in Kontakt zu treten. Die so genannten geführten Meditationen sind sehr häufig nichts anderes als Trancen, nämlich immer dann, wenn man gebeten wird, sich etwas vorzustellen. In der Meditation stellst du dir nichts vor.

Meditation ist keine Entspannung

Es wird nicht selten behauptet, man könne oder solle im Liegen meditieren oder man sollte die Augen schließen, weil man sich dann besonders gut entspannen kann, und dass Entspannung eine wichtige Voraussetzung für Meditation ist. Wenn man sehr fortgeschritten ist, ist es vorstellbar, dass man im Liegen meditiert (z.B., wenn man krank ist oder im Sitzen zu viele Schmerzen hat), aber in der Regel ist die vollständige Entspannung absolut kontraproduktiv für das Meditieren. Wenn man liegt, wenn man die Augen schließt und wenn man vollständig entspannt ist, ist das das Signal an das Gehirn, jetzt in Trance zu gehen. Statt wach zu sein, dämmert man vor sich hin, gibt sich dem Fluss der Gedanken hin. Das ist das Gegenteil von Meditation.

Meditation ist nicht zwingend eine religiöse Praxis

In den verschiedenen Zweigen des Buddhismus ist die Meditation ein integraler Bestandteil der religiösen Praxis, und zwar aus dem einfachen Grund, weil der Buddha mit Hilfe der Meditation sein Erwachen erreicht hat. War Buddha aber Buddhist? Sicherlich ist Meditation eine spirituelle Praxis, aber einen Glauben oder ein komplexes Konzept benötigt man dafür nicht. Es geht nur um die eigene, direkte Erfahrung. Selbst das Konzept dieses Artikels besteht hauptsächlich darin, irrige Konzepte aufzulösen und so wenig wie möglich hinzuzufügen. Ich rate deshalb, genau hinzuschauen, wo man die Meditation lernt, und ob es dort viele religiöse Inhalte gibt, die nur vom Wesentlichen ablenken. Es gibt Sekten, die die Lernenden mit Psycho-Techniken abhängig von einem Guru oder einer Gemeinschaft machen. Diese Psycho-Techniken werden dann auch fälschlicherweise als Meditation bezeichnet.

Meditation ist keine Psycho-Technik

Es wäre so schön griffig und einfach, wenn man das so sagen könnte: „Meditation ist eine Technik“. Oder wie ich unlängst las: „Meditation ist ein mächtiges Werkzeug“. Nein, Meditation ist kein Werkzeug. Man könnte noch eher sagen, dass Meditation ein Zustand ist. Aber eigentlich ist es das Tun des Nicht-Tuns. Um an dieser Stelle mal Haare zu spalten: Meditation ist keine Technik, aber es gibt Techniken, um zu meditieren. (So wie Musik keine Technik ist, es aber Techniken gibt, um Musik zu machen.)

Meditation ist kein Nachsinnen und kein Beten

Das Wort Meditation stammt vom Lateinischen meditari, das tatsächlich nachsinnen bedeutet. Eigentlich müsste man, wenn man vom Lateinischen ausgeht, von Kontemplation sprechen. contemplare heißt betrachten. Und dies kommt dem Meditieren näher. Die indogermanische Wurzel „med“, von dem sich auch das deutsche Wort „messen“ ableitet, zeigt an, dass man sich einer Sache vollständig widmet und ihr messend oder maßvoll auf den Grund geht. In diesem Fall wird das jedoch nicht mit dem Denken, sondern mit dem Bewusstsein selber gemacht.

Mit Beten hat Meditation ebenfalls weniger zu tun, da man nicht sein Betrachten (oder Sinnen) einem imaginativen göttlichen Wesen oder einem momentan abwesenden Heiligen zuwendet. Beten kann natürlich bedeuten, dass man sich im Göttlichen pökelt. Solange das Göttliche etwas ist, das sich genau hier befindet, könnte man vielleicht schon Meditation dazu sagen, aber in aller Regel wendet man sich mit dem Beten an eine abwesende oder imaginative Instanz, den Vater im Himmel, die Jungfrau Maria, Allah und so weiter.

Meditation ist nicht Gedankenlosigkeit

Auch in der Meditation bleiben die Gedanken nicht stehen, das ist physiologisch nicht machbar. Aber mit viel Übung kann man den Fluss der Gedanken so weit in den Hintergrund treten lassen, dass wirklich Ruhe im Kopf einkehrt. Das ist aber nichts, was man anstrebt, es stellt sich einfach ein, wenn man richtig meditiert. Solange das Gehirn lebt, produziert es Gedanken und Bilder, auch in der Meditation. Meditation ist zwar nicht Nachdenken, aber auch nicht das Ausschalten aller Gedanken. Wenn man das versucht, wird man bald entnervt aufhören, denn der Versuch, die Gedanken abzuschalten führt unweigerlich zu einer regelrechten Hetzjagd der Gedanken.

Meditation ist nicht nicht erlernbar

Man liest manchmal, Meditation könnte man nicht lernen. Das ist falsch. Es stimmt zwar, dass man Meditation nicht lernen muss, weil sie so einfach wie Essen oder Atmen ist. Essen muss man auch nicht lernen, das kann jeder, aber die richtige Auswahl und Zusammenstellung der Speisen und das Genießen kann man lernen. Ernährung ist eine richtige Wissenschaft. Atmen muss man nicht lernen, das kann jeder, aber die rechte Atmung, wenn man ein Blasinstrument übt oder Gesangsunterricht nimmt, das muss man erst lernen. So ist es auch mit der Meditation. Es gibt eine Reihe von Dingen zu beachten, die die Meditation gelingen lassen, oder, wenn man sie nicht beachtet, unnötig erschweren oder sogar unmöglich machen.

Meditation passiert nicht einfach so

Wenn man nicht willentlich und absichtlich meditiert, findet auch keine Meditation statt. Dafür sind wir alle zu sehr an das ständige Plappern im Kopf gewöhnt, wir sind leicht ablenkbar, identifiziert mit unseren selbsterzeugten Emotionen und Vorstellungen und leben ständig in Vergangenheit, Zukunft und in imaginären Denkmodellen.

Wer zum Beispiel meint, dass Bügeln, Abspülen oder etwas Ähnliches eine meditative Tätigkeit ist, irrt sich wahrscheinlich. Diese einfachen Tätigkeiten benötigen keine eigenen „Berechnungs-Ressourcen“, deshalb kann man dabei schön vor sich hinträumen, die Gedanken einfach fließen lassen. Das alles ist keine Meditation. Das ist nur der übliche Quatsch, den unser Kopf im Autopilot-Modus fabriziert. Andererseits muss man zugeben, dass man alle Tätigkeiten in eine Meditation einbetten oder verwandeln kann. Das bedeutet, dass man die volle und ungeteilte Aufmerksamkeit dieser Tätigkeit widmet und nicht dabei vor sich hinträumt.

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar