Was Meditation ist

Meditation ist eine Erweiterung des Bewusstseins

Das meditativ erweiterte Bewusstsein ist hellwach. Es erwartet nichts und ist dennoch auf alles vorbereitet, weil es widerstandslos hinnimmt, was jetzt der Fall ist. Es will weder etwas verändern noch etwas erreichen. Es interessiert sich nicht für die Vergangenheit und nicht für die Zukunft. Es stellt keine Theorien auf und muss nichts verstehen. Es jagt nicht die Gedanken, aber es liegt auf der Pirsch.

Meditation ist „Urlaub vom Denken“

Während die Gedanken weiter vor sich hinströmen, hakt der Meditierende nicht nach und lässt sich nicht von diesem Strom mitreißen. Manchmal kommt ein Gedanke, der besonders interessant ist, weil er von sich behauptet: „Daran musst du unbedingt noch denken!“ Aber auch den lassen wir weiterziehen. Alles ist gleich wichtig und gleich unwichtig, denn nichts hat eine Bedeutung. Erst durch das Denken und Bewerten wird den Dingen eine Bedeutung zugewiesen, die sie außerhalb des eigenen Kopfes gar nicht haben.

Wer schonmal depressiv vor sich hin gegrübelt hat, weiß, wie außerordentlich energieraubend das ist. Grübeln ist das angestrengte Denken an belastende Themen. Grübeln verbraucht nicht nur die dem Gehirn zur Verfügung stehende Glukose und den Sauerstoff – für nichts und wieder nichts möchte man hinzufügen – es sorgt auch dafür, dass Stresshormone ausgeschüttet werden, die den ganzen Organismus belasten und auf Dauer auch krank und schwach machen. Besonders für Menschen, die für Depressionen und Ängste anfällig sind, ist die Meditation deshalb so erholsam.

In der Meditation bist du du selbst

Wenn man sich mit seinen eigenen Gedanken und Bewertungen nicht mehr identifiziert, wenn man die Vergangenheit vergisst und sich für die Zukunft nicht interessiert, wenn man keine Erklärungsmodelle bastelt oder verteidigt, dann ist man, vom Alltagsverstand her betrachtet, unglaublich dumm. Es scheint, dass man dumm wie Bohnenstroh wird, in Wahrheit aber entwickelt sich aus dem Ruhen in der Gegenwart eine Weite und wortlose Weisheit, die alle Klugheit übersteigt. Übrig bleibt nur das beobachtende Selbst, das selber nicht mehr beobachtet werden kann. Das Beobachten kann beobachtet werden, aber nicht der Beobachter, der du selber bist, schon immer warst und immer sein wirst.

In der Meditation löst sich die Zeit auf

Alles wird zu endlosen Gegenwart. Das Zeitempfinden kommt aus dem Takt. Denn die Abfolge von Ursache und Wirkung und die Abfolge der Gedanken, die bisher die Zeit unterteilt haben, verschwinden aus dem Blickfeld, dadurch betritt man einen Raum stiller Zeitlosigkeit.

Meditation ist die Erfahrung des inneren Friedens

Der innere Frieden ist immer da, nur sehr oft sehr stark verschüttet hinter Gedanken und Gefühlen verschiedenster Art. Man kann diesen inneren Frieden in der Meditation verhältnismäßig leicht finden und in ihm verweilen. Andererseits ist es nicht so, dass man mit dem Ziel meditiert, etwas Bestimmtes zu fühlen oder zu erleben. Man meditiert um der Wahrheit willen. Der innere Frieden stellt sich von allein ein oder nicht. Rechne nicht damit, dass er kommt. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass Glückseligkeit auftritt. Aber möglich ist das alles schon.

Meditation ist Sein in der Wahrheit

Alle Geschichten, die wir uns jeden Tag immer wieder selber erzählen, werden bedeutungslos. Die Geschichten handeln davon, wer wir angeblich sind oder sein sollten, wer uns etwas angetan hat oder wem wir etwas angetan haben, was die anderen über uns denken und wie die Welt angeblich ist oder sein sollte. Wenn die Geschichten verschwinden, bleibt nur noch die Wahrheit übrig. Man kann sie nicht benennen. Um es mal analog zum dem Daodejing zu sagen: Wenn man sie in Worte fassen kann, ist sie nicht die ewige Wahrheit.

Meditation ist das Einüben einer heilsamen Haltung

Wenn man auf die rechte Weise meditiert, wird sich die meditative Haltung mehr und mehr auf den Alltag übertragen. Ängste treten trotzdem noch auf, verschwinden aber schneller wieder als früher. Die alten Psycho-Muster werden trotzdem noch ausgelöst und entfalten ihre Wirkung, aber nicht mehr so lang. Anfangs können die alten Muster und Ängste sich sogar intensivieren! Beinahe so, als wollten sie ihre Existenzberechtigung verteidigen, aber mit der Zeit und mit fortschreitender Loslösung von den alten Identifizierungen verpuffen die Psycho-Muster ins Nichts. Auf diese Weise ist die Meditation die einzige mir bekannte Prophylaxe gegen psychische Störungen jeder Art.

Das bedeutet nicht, dass man fehlerfrei wird, aber es bedeutet, dass das Maß des Leidens erheblich reduziert wird und am Ende jedes Leid verschwindet, obwohl Dinge geschehen, die man früher als einen Fehler betrachtet hätte. Fehler sind ohnehin nur Feedbackschleifen.

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar