Aufschieberitis – Prokrastination

Wenn man Aufgaben vor sich herschiebt, dann hat dies in aller Regel damit zu tun, dass man dieser Aufgabe ein negatives Gefühl verknüpft, das wiederum ein psychisches Muster auslöst. Das wichtigsten Gefühle in dieser Hinsicht sind Druck, schlechtes Gewissen und Angst. Die wichtigsten zugehörigen inneren Muster sind kindlicher Trotz, Schutz vor dem Versagen, vor dem Erfolg oder allgemein vor Veränderung. Es kann auch eine falsche Selbstwahrnehmung sein, die sich selber bestätigen will: „Ich kann das nicht, ich bin erfolglos, so etwas passt nicht zu mir, ich bin zu alt usw.“

Menschen vermeiden aus gutem Grund alles, was mit unangenehmen Gefühlen verknüpft ist. Es ist ein Akt der Selbstliebe, dass man sich unangenehmen Tätigkeiten nicht stellt. Aber dass die Tätigkeit unangenehm ist, ist eine Erfindung, denn es ist nur eine Tätigkeit. Das Gewürz des Unangenehmen fügt der menschliche Geist selber hinzu. Der Weg zur Lösung besteht darin, diese emotionalen Verknüpfungen aufzulösen und die Muster ans Tageslicht zu holen. Ich empfehle die folgenden vier Schritte:

Der erste Schritt besteht wie immer darin, den Umstand, so wie er jetzt ist, anzuerkennen: Es ist so, wie es ist.

Als zweites macht man seinen Frieden damit, und zwar nicht nur intellektuell, sondern in der Weise, dass man sich vollständig damit abfindet, dass man diese Aufgabe niemals erledigen wird und trotzdem das Leben weiter geht. Für den Anfang reicht es, dass man nur so tut, als hätte man seinen Frieden damit gemacht: Ich kann es nicht tun, und es ist gut so.

Der dritte Schritt besteht darin, die in diesem Friedensprozess auftretenden Gefühle und Gedanken genau zu beobachten. Dabei wird nichts verändert, denn sie sind nicht änderbar. Die Gedanken und Gefühle kommen unwillkürlich an die Oberfläche des Bewusstseins wie alte Angewohnheiten. Man erforscht genau: Von wo kommen die Anklagen, die Behauptungen, wer spricht da?

Der vierte Schritt findet von allein statt. Er besteht in der unwillkürlich auftretenden Erkenntnis, dass die zu erledigende Aufgabe nichts mit diesen Gedanken und Gefühlen zu tun hat. Es ist nur eine Sache, die erledigt werden kann (oder auch nicht) und nichts weiter. Alles andere hat man selber hinzugefügt.

Wenn diese Erkenntnis nicht nur mental ist, sondern ein echtes inneres Verstehen auslöst, kann man die Aufgabe angehen, indem man sie mit neuen, positiven Erwartungen und Selbstbildern verknüpft. Wahrscheinlich reicht es nicht, wenn man das nur ein Mal auf diese Weise angeht, denn es ist ein Umlernprozess, und der braucht wie alles Lernen Zeit und Wiederholung.

 

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