Angst und Meditation

Für viele Menschen ist die Angst ein ständiger Begleiter, vor allem, wenn sie auf andere Menschen treffen, aber auch vor Krankheiten, vor bestimmten Tieren, vor der U-Bahn, dem Flugzeug oder dem Tod. Nicht selten haben Menschen auch Angst bis hin zur Panik, ohne dass es einen Anlass dafür zu geben scheint.

Neulich hat mir eine Frau berichtet, sie habe panische Angst vor fliegenden Insekten. Es stellte sich dann heraus, dass sie allergisch gegen Bienengift ist. In diesem Fall ist die Angst ein guter Schutz vor einem anaphylaktischen Schock. Sie erfüllt damit eine positive Funktion, aber die Funktion könnte auch erfüllt sein, wenn die Angst nicht bis zur Panik gehen würde, also wenn sie etwas milder und zum Beispiel gezielt nur bei Bienen auftreten würde.

Angst verschafft einen Vorteil

Wer im richtigen Moment Angst hat und die Beine in die Hand nimmt, hat bessere Chancen zu überleben als jemand, der sich vor nichts fürchtet und dann gefressen, erschlagen oder überfahren wird. Insofern ist die grundlegende Funktion von Angst, den Menschen vor dem Tod und vor körperlichen oder seelischen Schmerzen zu schützen.

Angst ist weder klug noch maßvoll

Die Angst übertreibt gern und weitet sich auch auf andere Bereiche aus: Zuerst hatte Herr N.N. einen kleinen Schwächeanfall mit Übelkeit und Schwindelgefühlen in einem Bus. Es war heiß an dem Tag und er hatte zu wenig geschlafen und zu wenig getrunken. Es war ihm außerordentlich peinlich, weil er dachte, dass alle ihn beobachten. Bei den nächsten Gelegenheiten nahm er lieber nicht den Bus, sondern ging zu Fuß oder fuhr mit dem Rad. In der Folge vermied er das Busfahren konsequent, ohne sich jedesmal bewusst zu machen, warum das eigentlich so ist. Auf diese Weise verstärkte sich seine Aversion zu einer echten Angst. Als er einmal die Wahl hatte, mit dem Taxi oder mit der U-Bahn zu fahren, nahm er lieber das Taxi und entwickelte so eine Angst gegen alle öffentlichen Verkehrsmittel, später auch gegen das Einkaufen im Supermarkt, Kino- oder Restaurantbesuche. Schließlich wurde eine soziale Phobie mit Panikattacken bei ihm diagnostiziert. Es ist ein schleichender Prozess, der sich über Jahre hinzieht.

Angst zu haben ist so schrecklich, dass man typischerweise auch zusätzlich noch eine Angst vor der Angst entwickelt… Das scheint wirklich nicht besonders intelligent zu sein.

Nicht jeder ist gleichermaßen gefährdet

Es gibt Faktoren, die so zusammenwirken, dass eine behandlungswürdige Angststörung entsteht. Tatsächlich gibt es eine genetische Prädisposition (Vorbestimmtheit), also eine familiäre Häufung. Lerntheoretisch kann man auch häufig verstehen, dass sich Betroffene ein ängstliches oder vermeidendes Verhalten oder die Angewohnheit grüblerischen Sich-Sorgens von ihren Eltern abgeschaut haben. Gefährdeter sind Menschen mit einer guten Vorstellungskraft und einer lebhaften Fantasie. Es scheint mir logisch zu sein, dass jemand, der keine Fantasie hat, auch weniger anfällig für die Erwartung von Leid ist.
Andere haben einfach nicht gelernt, wie man sich schwierigen oder furchteinflößenden Situationen stellt und haben deshalb auch keine Strategien entwickelt, die Angst im Zaum zu halten.

Angst kennt ja jeder. Aber nur (oder immerhin) 30 % der Deutschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Angststörung, davon sind zwei Drittel Frauen.

Vorbeugen statt heilen

Die Wissenschaft hat im Laufe der Zeit Methoden entwickelt, wie man Angststörungen recht effektiv heilen oder zumindest deutlich verbessern kann. Je länger die Störung besteht, desto länger braucht man in der Regel auch, um eine Besserung zu erfahren. Es gibt Ausnahmen von dieser Regel. Wenn es sich um die so genannte ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung handelt, kann man zumindest mit einer Besserung rechnen. Als besonders effektiv hat sich dabei die kognitive Verhaltenstherapie und die Hypnotherapie erwiesen. Manchmal ist eine Kombination der Psychotherapie mit Psychopharmaka hilfreich.

Wenn man vorbeugen möchte, empfehle ich Techniken aus dem Bereich der Achtsamkeitsübungen. Das könnten Atemtechniken sein, Yoga, Qigong oder am direktesten die Achtsamkeitsmeditation („Vipassana“). Diese Methoden helfen dabei, „die Story von der Realität zu unterscheiden“, wie ich es manchmal ausdrücke. Real ist, was jetzt in diesem Moment der Fall ist, aber nicht die Geschichte dazu, nicht die erklärenden Theorien, nicht die Konzepte und nicht die erwartete Zukunft. Die „Story“ erzählt etwas anderes, so als könnte man durch die Kraft der Vorstellung jederzeit auf das Schlimmstmögliche vorbereitet sein. In Wahrheit stirbt man tausend Tode, während gleichzeitig nichts von Bedeutung geschieht.

Also ist es sinnvoll, Fantasie und Konzepte als das zu erkennen, was sie sind: Denkmuster ohne eigene Wirklichkeit. Wenn man diese zu erkennen gelernt hat, beugt man der Entwicklung von irrationaler Angst vor.

Etwas Eigenwerbung: Meditationskurs

Falls Sie in der Nähe leben: Ich gebe zwei Mal im Jahr einen preislich günstigen Meditationskurs im kleinen Rahmen (6-8 Teilnehmer), der über 10 Wochen geht und jeweils an einem Abend pro Woche stattfindet. Es handelt sich dabei nur um die Anleitung zu bestimmten Techniken. Vielleicht fällt auch mal das Wort „Buddha“, „Spiritualität“ oder „Laozi“, aber einen religiösen Background hat der Kurs bei mir nicht.

Wenn neue Termine feststehen, setze ich einen Link in die Kommentare. Aber Sie können sich schon jetzt über das Kontaktformular auf meiner Website als Interessent eintragen lassen.

(Ansonsten gibt es solche Kurse auch in Ihrer Nähe von anderen Anbietern. Man sollte aber darauf achten, ob religiöse Absichten mit dem Kurs verbunden sind und wenn ja, ob man damit einverstanden ist.)

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